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Wer die Geschichte nicht kennt, wird die Gegenwart nicht verstehen

Gewalt hat eine Geschichte - Jugendliche präsentierten eindrucksvolle Projektbeiträge

Ergebnisse des Jugendprojekts zur Aufarbeitung und Prävention wurden in Nackenheim vorgestellt
Ergebnisse des Jugendprojekts zur Aufarbeitung und Prävention wurden in Nackenheim vorgestellt
Foto: Evangelisches Dekanat

Von
Kai Dexheimer

NACKENHEIM/OPPENHEIM - Beeindruckende Beiträge zur Gedenkarbeit wurden auch in diesem Jahr wieder eingereicht, im Rahmen von „Gewalt hat eine Geschichte“. Ergebnisse des Jugendprojekts zur Aufarbeitung und Prävention wurden nun in feierlichem Rahmen in Nackenheim vorgestellt.

„Es ist wirklich toll, wie ihr die Themen angeht und was ihr gemeinsam auf die Beine stellt“, lobte Johanna Stein, „ich hoffe, dass es noch viele Jahre weitergeht.“ Gemeinsam mit Klaus Hagemann als Schirmherr und Jürgen Salewski, Leiter des Oppenheimer Jugendhauses, betreut die frühere Lehrerin das Projekt „Gewalt hat eine Geschichte“. 2017 wurde es zum fünften Mal ausgeschrieben und versteht sich als ein Baustein im Rahmen der Menschenrechtserziehung. Der Oppenheimer Geschichtsverein, das Jugendhaus Oppenheim in evangelischer Trägerschaft und die Gedenkstätte KZ Osthofen wirken dabei zusammen. Im Jugendhaus laufen sodann alle Stränge ineinander: Die Kinder- und Jugendeinrichtung ist zentrale Anlauf- und Kontaktstelle für die Schulen sowie für die Pfarrer der beteiligten Konfirmandengruppen aus den Kirchengemeinden des Dekanates – von der Projektausschreibung über die Organisation, Materialausleihe bis hin zur fachlich-pädagogischen Beratung und Begleitung der Projektbeiträge.

„Im nunmehr fünften Jahr hat sich das Präventionsprojekt etabliert“, resümiert Salewski. „Alle Kooperationspartner sind hochzufrieden, wie diese andere Form der Gedenkarbeit in Schulen und in Konfirmandengruppen umgesetzt wird.“ Die Jahr für Jahr steigende Zahl der Teilnehmergruppen spricht für sich. Ein Dank gilt auch den weiteren Kooperationspartnern, die das Projekt finanziell unterstützen und somit zum wesentlichen Gelingen beitragen: der Fachbereich Jugendarbeit des Zentrums Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Kriminalpräventive Rat der VG Rhein-Selz und der Fachbereich Prävention des Landkreises Mainz-Bingen. Zu Gast war zudem Gernot Bach-Leucht, Landesjugendpfarrer der EKHN.

„Jeder kann etwas tun!“

Geschichte immer wieder in Erinnerung zu rufen, daraus zu lernen und dies an die nächste Generation weiterzutragen liegt allen Beteiligten am Herzen, daher fließt viel ehrenamtliches Engagement mit ein. Neben Schulklassen beteiligte sich auch eine Konfirmandengruppe. Im feierlichen Rahmen stellten die Mitwirkenden ihre Beiträge vor, musikalisch mitgestaltet von Schulorchester, Saxophon- oder Gitarrenklängen. Was alles aus dem Projekt entstehen kann, zeigte der Kooperationsvertrag des Gymnasiums Oppenheim mit der Gedenkstätte Osthofen. Joshua Schmitt hatte ihn als Schülersprecher mit auf den Weg gebracht: „Wir alle hier sind nicht schuldig“, betonte er in seiner Ansprache. Doch jeder sei aufgerufen, die Erinnerung wachzuhalten „und anderen klarzumachen, wie schlimm Gewalt ist“, forderte der junge Mann.

Die heutige Zeit und die Vergangenheit kombinierten Oppenheimer Konfirmanden bei ihrem Thema „Letzte Rettung Kindertransport - Die Geschichte von Walter Spiegel“. In ihrer Stadt hatten sie Informationen und Bilder zusammengetragen zum Schicksal der jüdischen Familie, die unter dem NS-Regime zu leiden hatte und schließlich ermordet wurde. Als einziger blieb der Junge am Leben, der – ähnlich wie über 13.000 andere Kinder – ins Ausland geschickt wurde. In ihre Lage versuchten sich die Konfirmanden hineinzuversetzen. Angst, Einsamkeit, Ungewissheit, Wut, Trauer und die Sorge um die Familie: All das belastet sicher auch junge Menschen, die heute aus Krieg, Leid und Verfolgung in andere Länder fliehen, stellten sie fest.

„Die Geschichte antijüdischer Gewalt und die Rolle Luthers“ hatte sich der Grundkurs Ethik der IGS Oppenheim als Thema gewählt und dazu eine informative Ausstellung gestaltet. Dass Karten Geschichte(n) von Krieg und Frieden erzählen, verdeutlichte der Nackenheimer Leistungskurs Geschichte, der Plakate zu Zeitabschnitten und Wendepunkten in der deutschen Historie gestaltet hatte, mit Blick auf sich verändernde Grenzen. Mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit beschäftigte sich die Parallelklasse, die Zeitzeugen zu „Ostalgie“ befragt hatte.

Einzelne Worte und kleine Gesten können schon ausreichen, um eine Lawine loszutreten, die sich kaum noch stoppen lässt: „Unaufhaltsam“ nannte die Klasse 8 aus Nierstein ihre Aufführung über Gerüchte. Achtsam mit den eigenen Worten umzugehen legten sie allen nahe, denn diese könnten nicht wieder zurückgeholt werden. „Hast du schon gehört?“: Einmal auf den Weg gebracht, verbreiten sich Botschaften oft in Windeseile, ob im Gespräch oder durch soziale Medien, zeigten die jungen Leute.

Auch Gewalttaten und Grausamkeiten können Menschen anderen absichtlich antun. Damit beschäftigte sich ein Englischkurs der IGS Oppenheim in einem eigenen Gedicht und Bildern. Zudem bewegt viele junge Leute das Thema „Auf der Flucht“. Ein Video dazu hatte die Klasse 10d der Niersteiner Realschule gestaltet, mit Zeichnungen zu einer Geschichte darüber, wie hart und beschwerlich der Weg bis nach Deutschland oft ist. Mit anschaulichen Bildern, die vor den Augen der Betrachter entstanden, arbeitete auch ein Sozialkundekurs der IGS Oppenheim in einer Präsentation zum Thema „Asyl ist Menschenrecht“, als Kombination aus Filmen und Plakaten. Auch der Erde wird Gewalt angetan, stellten Realschüler aus Nierstein betroffen fest, mit Blick auf den Klimawandel und seine Folgen. „Jeder kann etwas tun“, appellierten sie.

Urkunden und Geschenke gab es für alle beteiligten Schüler, als Dank für ihr Engagement und auch für ihren Mut, die Ergebnisse zu präsentieren. Im Februar 2018 wird es eine erneute Ausschreibungsrunde geben.