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Historische Kerbe-Attraktion kehrt zurück

„Schneider Reitschul“ nach 48 Jahren wieder in Bodenheim

Die "Schneider-Reitschul"

BODENHEIM - Sie war in der Vergangenheit "die" Attraktion und häufig auch das Wahrzeichen zahlreicher Kerbeplätze und gehörte zum vertrauten Bild der damaligen Feste zwischen Frankfurt, Mainz und in Rheinhessen: Die „Schneider Reitschul“. Letztmalig 1968 auf der Bodenheimer Kerb vertreten und nur wenig später vollkommen von der Bildfläche verschwunden, kommt das historische Doppelstock-Karussell mit dem unnachahmlichen Klang der innenliegenden Karussell-Orgel zum diesjährigen Albansfest vom 3. bis zum 6. Juni 2016 nach Bodenheim zurück. Während allein schon der Name „Schneider Reitschul“ bei einigen Älteren längst vergessene Kindheitserinnerungen hervorruft und den unnachahmlichen Klang der Orgel wieder hörbar werden lässt, ist es für die meisten von uns wohl nur ein Relikt aus einer längst vergangenen Epoche. Und doch werden sich nur die Wenigsten beim Anblick des historischen Holz-Karussells dessen einzigartiger Faszination entziehen können – und dies liegt nicht zuletzt auch an seiner spannenden Geschichte:

Bereits 1880 baute Philipp Schneider, von Beruf Wagner aus Bechtheim bei Worms, das erste Karussell. Anfangs noch in einstöckiger Bauweise konstruiert, entstand 1904 in Zusammenarbeit mit einem Schlossermeister aus Pfungstadt dann die doppelstöckige Version. Wurde das Karussell in den ersten Jahren noch per Hand angetrieben, kamen später Pferde und schließlich ein Elektroantrieb zum Einsatz – und das Geschäft florierte. Auch schwierige Phasen wie die Kriegs-Wirren und die kargen Nachkriegsjahre haben das Karussell und sein damaliger Besitzer, Philipp Schneiders Sohn Heinrich, am neuen Betriebs- und Lagerstandort Mainz-Bischofsheim relativ unbeschadet überstanden. Seine Hochzeit erlebte die „Schneider Reitschul“ schließlich in den 50er- bis Mitte der 60er-Jahre, doch es war gleichzeitig der Anfang vom Ende.

Immer mehr neue, moderne Fahrgeschäfte drängten auf die Feste – zuerst auf die großen Veranstaltungen wie das Münchner Oktoberfest oder die Cannstatter Wasen – dann aber auch verstärkt in die ländlichen Regionen. Diese Modernisierungswelle bedeutete das Aus für viele historische Karussells und so wurde die „Schneider Reitschul“ zuerst an einen holländischen Freizeitpark und kurze Zeit später in einen Park nach Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina verkauft. Dank mangelhafter Pflege, permanentem Dauereinsatz und feucht-warmem Klima schien das endgültige Ende des Karussells bereits vorprogrammiert, als sich zur gleichen Zeit eine Gruppe junger Männer aus Dreieichenhain bei Offenbach daran machte, die dortige Kerb wiederzubeleben. Bei ihren Recherchen stießen sie auch auf die „Schneider Reitschul“ und ihren derzeitigen Verbleib. Die Gruppe unter der Führung von Siegfried Reuner schaffte es 1980 tatsächlich, das inzwischen nicht mehr betriebene Karussell vom US-Betreiber kostenlos zurückzuerhalten und mit Hilfe der amerikanischen Luftwaffe nach Deutschland zu transportieren. Sie gründeten den Verein "Hayner Reitschul´e.V.", benannt nach der "Hayner Kerb" und restaurierten das Karussell detailgetreu über etliche Jahre hinweg in mühevoller und liebevoller Kleinarbeit, um es dann ausschließlich in den umliegenden Gemeinden aufzubauen und zu betreiben.

Junge Mädels auf alten Pferden

Davon erfuhren schließlich auch einige Bodenheimer Bürger und informierten Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig über die erfolgte Rückholaktion sowie den neuen Standort der „Schneider Reitschul“, die jetzt Hayner-Reitschul´ hieß. Becker-Theilig, selbst ein großer Fan der „Schneider Reitschul“, nahm umgehend Kontakt zu den neuen Betreibern auf und konnte den Hayner Verein in vielen Gesprächen letztendlich davon überzeugen, das Karussell anlässlich der anstehenden 200-Jahr-Feier Rheinhessens noch einmal fürs Albansfest nach Bodenheim zu verleihen.

Unterstützt wurde er dabei vom örtlichen Bauhandwerksunternehmen Güterhaus Bodenheim und dessen Geschäftsführer Hagen Wolf als Sponsor sowie dem Schausteller Alfred Stock, der seinen bereits gepachteten Platz sofort zur Verfügung stellte. Und auch der Gemeindebauhof wird sich tatkräftig an den zweitägigen Aufbauarbeiten beteiligen. Noch werden die letzten logistischen Herausforderungen des Transportes der beiden 25 Meter langen Transportwagen über die Landstraßen und die Rheinfähre bei Nierstein geklärt, doch dann heißt es im Juni für alle Liebhaber des nostalgischen Karussells: „Schneider Reitschul“ – Willkommen zurück in Bodenheim.

Text: Michael Türk
Fotos: Geschichts- und Heimatverein e. V. Dreieichenhain