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„Früher war es anders – aber nicht besser“

Johannes Gerster stellt im Karthäuserhof sein Buch „Typen und Mythen“ vor

Johannes Gerster: profunder Kenner der jüngeren Geschichte und unerschütterlicher Freund Israels.
Johannes Gerster: profunder Kenner der jüngeren Geschichte und unerschütterlicher Freund Israels.

Von Henning Berg

HECHTSHEIM – Johannes Gerster las im Karthäuserhof aus seinem neuen Buch „Typen und Mythen“. Der frühere Bundestagsabgeordnete und profilierte Politiker der CDU in Rheinland-Pfalz war von 1997-2006 in Jerusalem in Diensten der Konrad-Adenauer-Stiftung und ist im Laufe seiner Polit-Karriere Franz Joseph-Strauß, Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Bernhard Vogel und vielen anderen Ausnahmepersönlichkeiten der politischen Hemisphäre persönlich begegnet. Genug Stoff, aus dem die Mythen sind, hat Gerster dabei gesammelt, und das wollte er der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. So kam es zu seinem neuen Buch.

Im gediegenen Ambiente des Karthäuserhofes, bei Käse, Brezelchen und Wein, lauschten die Anwesenden den Anekdoten und Anekdötchen von den 60ern bis heute. Die grundsätzliche Frage, die Gerster beim Schreiben leitete, sei nach eigener Auskunft die Frage gewesen, ob Typen wie Strauß und Wehner, also Vollblutpolitiker und Charismatiker ersten Ranges, heute noch in der Politik eine tragende Rolle spielen könnten. Gerster beantwortete diese Frage in der begleitenden Diskussion ausdrücklich mit „Nein“, denn: „Sie würden in der laufenden Parlamentsdebatte, in der Öffentlichkeit und durch die Presse sofort niedergemacht werden!“ Talkrunden hätten die Bundestagsdebatten im Fernsehen ersetzt und Selbstdarstellung spiele eine immer größere Rolle.

Doch allzu pessimistisch fiel die Lesung am Ende doch nicht aus, im Gegenteil. Was Gerster mitteilen wollte, war von viel Humor getragen und die Verhältnisse, also das, was das tagespolitische Geschehen ausmacht, seien in seinen Augen früher „nicht besser, sondern einfach nur anders“ gewesen. Die Lesung von Gerster streifte die großen weltpolitischen Wendepunkte in der Deutschen Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie den Nato-Doppel-Beschluss und den Mauerfall. Ein offenes Geheimnis dabei: Gerster wurde über Jahrzehnte hinweg von der Stasi überwacht.

Immer wieder kam Gerster auch auf das deutsch-israelische Verhältnis zu sprechen. Hier kamen auch Rückfragen aus dem Publikum: „Wie kann man Israel kritisieren, ohne dabei gleich den Vorwurf des Antisemitismus zu ernten?“ Gerster riet hier zur Sachlichkeit und warnte vor: „sogleich eine israelfeindliche Soße auszuschütten“.

Foto: Henning Berg